#74: Money Kondo – So räumst du deine Finanzen auf
Reichtum ist Frauensache und Feminismus beginnt beim Konto!
Über Geld spricht man nicht? Doch! Gerade für uns Frauen wird es höchste Zeit, zu Expertinnen unserer Finanzen zu werden. Was dabei hilft: Sich mit anderen austauschen, einfach mal darüber sprechen und nachfragen „Sag mal, wie ist das eigentlich bei dir?“. Was noch hilft: Von klugen Menschen lernen, die bereits Finanzprofis sind und ihr Wissen in Druck gegeben haben. So kann ich dir zum Beispiel die Arbeit von Natascha Wegelin a.k.a. Madame Moneypenny ans Herz legen, die bereits 2018 ihr Buch Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können herausbrachte und damit sowie mit ihrem Blog und Podcast eine große Inspiration für Frauen in Deutschland ist. Heute möchte ich mit dir aber über das Buch einer anderen Finanzexpertin sprechen, weil es perfekt zu meinem eigenen Thema – Aufräumen nach der Methode von Marie Kondo – passt. Hava Misimi ist zertifizierte Finanzberaterin, Gründerin des Unternehmens yfinance und gewann 2019 mit ihrem Blog Femance den comdirect Finanzblog-Award. In ihrem 2021 erschienenen Buch Money Kondo – Wie du heute deine Finanzen aufräumst und morgen freier lebst verknüpft sie das Aufräumen nach der KonMari® Methode mit dem Weg zu finanzieller Freiheit.
Also, lass uns loslegen mit einer kleinen Einführung in Sachen Aufräumen, Absicherung und Anlage, denn: Finance First!
Dein Money-Mindset
Glaubenssätze erkennen
Vor dem Aufräumen ist es wichtig, herauszufinden, was eigentlich unsere Einstellung zu Dingen ist, welcher Besitz-Typ wir sind. Denkst du, dass Geschenktes nicht aussortiert werden darf oder Gegenstände, die einst teuer gewesen sind, nicht losgelassen werden dürfen? (Achtung, tappe nicht in diese Fallen, wenn du effektiv ausmisten willst!) Kurz gesagt: Welche Glaubenssätze hast du bezüglich des Themas Ausmisten? Genauso sollten wir uns auch über eventuelle Glaubenssätze im Bereich Geld im Klaren werden. Glaubst du, dass Geld stinkt oder gar „dreckig“ ist? Bist du der Überzeugung, dass Geld nur Schlechtes bringt beziehungsweise dass gewisser Reichtum nur bestimmten Leuten vorenthalten ist? Egal, was es ist, komm deinen inneren Überzeugungen auf die Spur, um sie entweder als förderlich feiern oder als hinderlich entlarven zu können.
Ziele setzen
Als nächstes visualisieren wir beim Aufräumen nach der KonMari® Methode unser Ziel, indem wir uns so detailliert wie möglich unser Traumzuhause und unser ideales Leben vorstellen. Genauso funktioniert es auch auf dem Weg zu finanzieller Freiheit: Wie stellst du dir deine finanzielle Zukunft vor? Mit dieser Frage solltest du dich gründlich auseinandersetzen, damit du genau weißt, wohin deine Geldreise dich führen soll. Also: Wie sieht Wohlstand für dich persönlich aus? Um die Welt reisen? Ein eigenes Unternehmen gründen? Teilzeit arbeiten oder früh in Rente gehen? Ein schönes Haus bauen? Die Enkelkinder ins Lieblingsrestaurant einladen? Nur wenn du weißt, wo du hinwillst, kannst du in die richtige Richtung gehen.
Um dein (Reise-)Ziel – beziehungsweise einzelne Etappen auf dem Weg dorthin – zu definieren, kann die SMART-Methode nützlich sein. Demnach ist ein Ziel dann sinnvoll gesetzt, wenn es spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert ist. Hast du dein Money-Mindset nun ganz im Stile Marie Kondos entrümpelt? Hervorragend, weiter geht’s!
„Without a destination the journey will be pointless.”
Sparen – eine unterschätzte Fähigkeit
Hava Misimi bezeichnet das Sparen als erste wichtige Aufgabe hin zu finanzieller Souveränität und als oft unterschätzten Skill. Ihr ist es wichtig zu betonen, dass sparen nicht nur mit Verzicht zu tun haben muss (oder gar mit einer frugalen Lebensweise), sondern mithilfe eines kleinen Perspektivwechsels ziemlich positiv konnotiert werden kann: Sparen als persönlicher Wünscheerfüller, denn wer es lernt, zu sparen, wird in der Lage sein, sich seine Träume zu erfüllen.
Mich interessiert dieses Thema besonders, weil es meiner Meinung nach eine direkte Verbindung zum Aufräumen hat. Sparen ist die andere Seite derselben Medaille. Etwas konsumieren bzw. Geld ausgeben hängt unmittelbar mit Ordnung zusammen. Denk nur daran, dass du dich laut KonMari® Methode bei allen Neuanschaffungen fragen sollst, ob sie dir wirklich Freude bereiten (Does it spark joy?). Wenn du nur dann etwas kaufst, wenn dies der Fall ist, wirst du deine Wohnung nicht mit unnötigem Kram vollstellen und erschaffst gleichzeitig eine Umgebung, die dir zu 100 Prozent gefällt. Die 80-prozentigen Käufe „sparst“ du dir einfach. Sparen ist im Prinzip nichts anderes als darauf zu warten, dass dir etwas ganz und gar gefällt, und auf alles zu verzichten, was nicht deinen Ansprüchen genügt. Sparen bringt dir also gleich auf zwei Ebenen etwas: Du gibst weniger Geld für weniger passende Dinge aus (die du anschließend nur wieder aufräumen müsstest) und du hast mehr Geld zur Verfügung für die Dinge, die dir wirklich joy sparken (und bei denen es ein Leichtes ist, sie in dein bestehendes Wohn- und Ordnungskonzept zu integrieren). Ich bin Fan vom Sparen! Merkst du das? 😉
Hava Misimi gibt zwei ziemlich coole Tipps, wie wir einfacher sparen (= weniger konsumieren) können:
1. Cost per Wear/Use: Rechne dir aus, was das Kleidungsstück pro Tag, an dem du es trägst (Cost per Wear), oder der Gegenstand pro Tag, an dem du ihn nutzt (Cost per Use), kostet. Was ist teurer: Der Paillettenrock für 20 oder der Wintermantel für 200€? Durch die obenstehende Rechnung wird der Paillettenrock für 40 €, den du an zwei Silvesterabenden trägst und dann nicht mehr sehen kannst, ein Cost per Wear von 20 € haben. Der Wintermantel hingegen, den du an ungefähr 200 Tagen trägst, weil er langlebig und praktisch ist, auf 1 € Cost per Wear kommen. Der Paillettenrock ist also 20 mal so teuer. Wer hätte das gedacht?!
2. Arbeitsstunden: Ein weiteres kluges Tool, um die wahren Kosten einer Sache besser einschätzen zu können, ist die Umrechnung auf Arbeitszeit. Wie viele Stunden musst du arbeiten, um dir etwas leisten zu können? Dafür nimmst du deinen monatlichen Nettolohn (z.B. 2400 €) und teilst ihn durch deine Arbeitszeit (z.B. 40 Stunden pro Woche = 160 Stunden pro Monat). 2400 durch 160 ergibt 15, das wäre dein Stundenlohn. Wenn du dir nun beispielsweise einen Fön von Dyson für 400 € kaufen möchtest, teilst du diesen Betrag durch deinen Stundenlohn (400 : 15) und kommst auf die Anzahl an Arbeitsstunden, die du für die Anschaffung leisten müsstest. Im Falle des Dyson-Föns müsstest du 27 Stunden arbeiten. Ist es dir das wert?
Nettolohn : Arbeitsstunden im Monat = Stundenlohn
Preis : Stundenlohn = Arbeitsstunden
Die Aufstellung – deine Einnahmen & Ausgaben
Etwas, das unumgänglich ist, ist zu erfassen, wie du finanziell überhaupt aufgestellt bist. Ähnlich wie beim Aufräumen nach der KonMari® Methode werfen wir hierzu alles auf einen „Haufen“, um einen Überblick zu bekommen. Was kommt bei dir rein, was geht raus? Einnahmen (= Gehalt), Fixkosten und variable Kosten lauten hier die Stichworte. Um deine Einnahmen und Ausgaben festzuhalten, kannst du ein klassisches Notizbuch verwenden, eine Online-Banking-App (wenn du alles immer mit Karte bezahlst) oder eine Tracking-App wie Money Control (Empfehlung von Hava) oder Finanzguru (Empfehlung von mir). Sind deine Finanzen auf diese Weise erst einmal erfasst, siehst du auf einen Blick, was du auf der Haben-Seite hast und was du vielleicht noch verändern könntest.
Das Drei-Konten-Modell
Die Autorin empfiehlt das Drei-Konten-Modell, bei dem wir für verschiedene finanzielle Bereiche verschiedene Konten nutzen. So gibt es das Basiskonto, auf das unser Gehalt und sonstige Einnahmen gehen und von dem ebenfalls die monatlichen Fixkosten bezahlt werden. Dann gibt es das variable Konto (oder Spiel-und-Spaß-Konto), auf das wir von unserem Basiskonto aus monatlich ein von uns individuell festgelegtes Budget für Spiel & Spaß überweisen, mit dem wir machen können, was wir wollen. Dieses Konto sollte nicht überziehbar sein, da wir unser festgestecktes Budget nicht überschreiten wollen (lieber im nächsten Monat das Budget anpassen!). Daneben gibt es noch das Sparkonto, das für unsere Sparziele gedacht ist, unser Geld sicher verwahrt und – je nach Ziel – eine mehr oder weniger hohe Rendite abwirft. Eine physische Bankkarte sollten wir dabei nur für das variable Konto in unserem Portemonnaie haben, denn an die beiden anderen wollen wir ja gar nicht heran. Das Drei-Konten-Modell wirkt auf mich als Ordnungsexpertin ziemlich attraktiv und insbesondere das entschlackte Portemonnaie weiß ich sehr zu schätzen. 😉
Basiskonto: Einnahmen + Fixkosten
Variables Konto: Variable Ausgaben
Spar- und Investitionskonto: für kurz-, mittel + langfristige Ziele
Grundsätzlich solltest du beim Thema Sparen wegkommen vom negativen Blick à la Sparen = Geiz, sondern deinen Blick hinwenden zu dem, was du eigentlich erreichen möchtest. Frage dich lieber: „Wie kann ich mein Verhalten zugunsten meiner Ziele ändern?“
Sinnvolle Strategien für Spitzenanleger*innen
Jetzt haben wir Ordnung in unseren Geldbeutel gebracht. Nun geht es darum, wie wir unser Geld sinnvoll investieren können, um langfristig abgesichert zu sein und Vermögen aufzubauen.
Der Zinseszinseffekt
Der beste Zeitpunkt, Dinge anzugehen – egal ob das Aufräumen deines physischen Besitzes oder das deiner Finanzen – ist jetzt! Denn Gegenstände häufen sich über die Jahre stets mehr und mehr an, Papiere sind Rudeltiere und nach der Broken-Windows-Theorie entsteht an einem unordentlichen Ort immer noch mehr Unordnung. In diesem Fall ist der Effekt der Potenzierung ein negativer (= Chaos zieht mehr Chaos nach sich). Bei Geldangelegenheiten können wir uns das exponentielle Wachstum hingegen zur Freundin machen: Der Zinseszinseffekt besagt, dass sich bei frühzeitiger, regelmäßiger Anlage dein Geld anhäuft wie Kram (= Geld zieht mehr Geld nach sich). Tipp von Hava: Geht es um eine Geldanlage, wähle lieber monatliche oder quartalsweise Zinsen, um den Effekt voll auszunutzen. Geht es um die eigene Kreditaufnahme bei einer Bank, sollte man lieber jährliche Zinsen wählen (um den Zinseszinseffekt nicht am eigenen Leib zu erfahren).
Die richtige Absicherung
Wenn wir uns ans Ausmisten bzw. den Joy Check unserer Kleidung machen, finden sich in fast jedem Kleiderschrank gewisse All-time-favorites: Die Daunenjacke, die im Winter schön warm hält, der Fahrradhelm, der uns schützt oder die Gummistiefel, die einfach praktisch sind. Genauso gibt es auch Must-haves beim Thema Absicherung. Zu diesen gehören laut Hava Misimi die Private Haftpflichtversicherung, die Krankenversicherung und die Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese Dinge klingen vielleicht weniger sexy und sind nicht „joysparking“. Das ist genauso wie mit der Regenjacke, die wir zwar hässlich finden, die uns bei Regen aber einfach einen superguten Dienst erweist. Es regnet in unserer Region vielleicht nicht so oft, aber wenn, möchten wir diese Annehmlichkeit nicht missen.
„Genauso ist es mit deinen Versicherungen. Du könntest darauf verzichten, dich mit dem Thema auseinanderzusetzen, wenn aber mal ein nicht so unwahrscheinliches Missgeschick passiert, bist du froh, wenn du deinem Risiko die richtige Versicherung entgegensetzen kannst (…)“ – Hava Misimi
Langfristigkeit und Nachhaltigkeit
„Du fährst mit dem langfristigen Ansatz des Investierens also definitiv den besseren und entspannteren Weg zu planbaren und aufgeräumten Finanzen (…). Dein Ziel beim Aufräumen der Finanzen sind in Anlehnung an Marie Kondo Langfristigkeit und Nachhaltigkeit.“ Das schreibt Hava Misimi zum Thema Geldanlage allgemein. Langfristigkeit gehört zu deinem Weg zu finanzieller Unabhängigkeit also genauso dazu wie zum physischen Aufräumprozess in deinen vier Wänden. Sei geduldig und bleib am Ball! Leg die Dinge sozusagen immer wieder an ihren Aufbewahrungsplatz zurück: Es gilt, immer wieder zu überprüfen, ob der Status Quo noch der ist, den du einst angestrebt hast, und bei Bedarf nachzujustieren. Manchmal verändern sich das Leben und die eigene Einstellung auch so stark, dass man seine Strategien komplett ändern muss. Was ich dir für diesen Fall mitgeben kann: Sei dir im Klaren, dass deine Finanzen – genau wie deine Wohnung – nicht immer super aufgeräumt sein können und werden. Und das ist auch gar nicht schlimm! Es gibt bei beidem – Geld und Besitz – Zeiten, in denen du vorübergehendes Chaos hinnehmen und einfach cool bleiben musst. Denk daran, dass du ein größeres Ziel anstrebst, das langfristig eintreten soll. Dann kannst du dich ganz entspannt zurücklehnen in der Gewissheit, dass sich schon alles fügen wird.
Wie auch Hava Misimi sagt: „Ich will meine Lebenszeit ungern mit täglichem Großputz verbringen und bin mir sicher, dir geht es genauso.“
Zum Schluss lässt sich sagen, dass finanzielle Ordnung besonders für uns Frauen unverzichtbar ist, damit wir unabhängig sind und bleiben. Die gesetzliche Rente ist ein Witz und wird ein noch größerer sein und (Ehe-)Männer können aus unserem Leben verschwinden, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht. Dies ist ein Appell an dich, deine Geldangelegenheiten selber in die Hand zu nehmen und dich so solide aufzustellen, dass du heute und im Alter gut leben kannst, ohne auf andere angewiesen zu sein. Die Zusammenfassung von Havas Buch soll dir dazu als Inspiration dienen. Ich hoffe, sie stupst dich an, noch heute die ersten Schritte in Richtung finanzieller Freiheit zu gehen. Ein erster sinnvoller Schritt ist stets, eine Einnahmen-Ausgaben-Übersicht zu erstellen (s. oben). Lad dir doch einfach als erstes zum Beispiel Finanzguru herunter, halte einen Monat lang fest, was du ausgegeben hast (jeden noch so kleinen Betrag), kündige Abos, die du nicht brauchst und überlege dir, wo du finanziell hinwillst. Ich wünsche dir viel Erfolg auf deiner Geldreise!

